Die Lerntypen - Teil 2: Der visuelle Typ

geschrieben von Ralf Baum am 20 August, 2010 - 07:52

Manche Leute sind für Überraschungen gut. Mit einem schnellen Lesen erfassen sie einen kompletten Text inklusive aller Daten; oder zählen Sie selbst zu den Menschen, die sich eine Schachpartie nach 15 Zügen visuell vor Ihrem inneren Auge vorstellen können. Dann zählen Sie zum visuellen Lerntyp. Manchen Angehörigen dieses Lerntyps sagt man nach, dass Sie Ansätze eines fotographisches Gedächnis hätten.

Wie spricht man den visuellen Lerntypen am besten an?

Natürlich mit optischen Eindrücken. Richten Sie Ihr Augenmerk bei der Erstellung auf leicht übersichtliche Grafiken, und überfrachten Sie das Lernmodul nicht mit zuviel Text. Aber obacht: Was in der ersten Sekunden wie ein Freibrief zu einfachen, graphisch wenig elaborierten Elearnings klingt, entpuppt sich in der Realität oft als wesentlich aufwändiger. Denn Sie als Autor dürfen sich nicht "in Unschärfe üben". Formulierungen, die nicht direkt auf den Punkt kommen, lassen beim visuellen Lerntyp viel Potential ungenutzt. Also verwenden Sie klar strukturierte Sätze und übersichtliche Grafiken, denn so kann der visuelle Lerntyp am besten Informationen aufnehmen.

Pauschal lässt sich für diesen Lerntyp kein spezielles Medium empfehlen, denn eigentlich verwenden (mit Ausnahme der Audiopodcasts) alle E-Learning-Techniken visuelle Informationen.

Allerdings dürfen Sie ihr E-Learning nicht rein auf den visuellen Lerntyp ausrichten; verknüpfen Sie - wenn möglich - die Informationen mit gesprochenem Text, dann gelingt es Ihnen auch zugleich dem auditiven Lerntyp Wissen lerngerecht zu vermitteln. Probieren Sie es doch mit einem Flashbook oder einem Lernvideo aus. Es muss ja nicht unbedingt ein abendfüllender Spielfilm sein; eine aufgezeichnete Präsentation vor einer Beamerleinwand mit einem Sprecher davor, erfüllt auch ihren Zweck.

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Submitted by Waldemar Pross (nicht überprüft) on 19 August, 2010 - 13:06.

Ich finde, dass das Lesen eines Textes nicht zu visuellen Lernmittel gehört. Wir erfassen den Text zwar optisch, aber allein diese Erfassung ist visuell. Erst wenn die Zeichen durch unseren Gehirn "entschlüsselt" wurden, haben wir eine wertvolle Information erfasst.

Für mich sind visuelle Lernmittel, wie du eben schon gesagt hat, zum Beispiel ein Bild oder Grafik. Hier muss man die Daten (Besonders bei Grafiken) erst auch interpretieren, aber es findet unmittelbar.

Auch Videos (z.B. Screencasts) sind auch direkte visuelle Lernmittel. Hier sieht man direkt etwas "as is".

So sehe ich das. Bin kein Lehrer und habe Medieninformatik nicht studiert, aber das ist mein Verständnis.

Submitted by Ralf Baum on 23 August, 2010 - 20:04.

Die Frage, ob Lesen auch zum visuellen Lerntyp passt, ist in der Tat nicht gleich einfach zu beantworten. Ich muss insofern zustimmen, dass nur die Buchstaben alleine ohne Lesefähigkeit keine Information darstellen (diesen Vorgang kann man beim Betrachten von asiatischen Schriftzeichen selbst erleben), aber gibt es eine Kommunikationsform, die auf kognitive Verstehensprozesse verzichten kann?
Ich denke nicht, denn auch eine Grafik, ein Piktogramm oder eine Landkarte müssen erst verstanden werden, um hieraus Informationen zu gewinnen. Dieser Vorgang muss auch im Gehirn umgesetzt werden.
Dementsprechend ist der Unterschied zwischen dem Vorgang des Lesen/Verstehen und dem Bildbetrachtung/Verstehen nicht so groß, wie man denken könnte. Für das Gehirn ist die Informationsaufnahme über das Medium Auge erstmal gleich, unabhängig davon, ob ein Text oder eine Grafik zu sehen ist.
Für die Praxis ist es in den meisten Fällen nicht möglich, zur Informationsvermittlung nur eine Grafik einzusetzen. Auch die beste Grafik erklärt sich selten von alleine. Folglich ist es wichtig, diese Grafiken/Animationen etc. mit übersichtlichen Texten zu verbinden.

Auch bei Screencasts ist es nur schwer möglich, nur auf Basis von reinen Grafiken zu arbeiten. Erst durch das Verständnis der Beschriftungen der einzelnen Buttons kann man die Klicks nachvollziehen, zudem werden in den meisten Screencasts durch Schrifteinblendungen oder Audios weitere Informationen geliefert. Das reine Betrachten eines Screencastvideos ohne weitere Hilfsmittel ist über einen Zeitraum von mehr 5min meist wenig ergiebig.